"You'll get what you deserve" - eben nicht.

In einer Gesellschaft, in der alles und jeder nach Leistung beurteilt, bezahlt und beerdigt werden will, sollte man sich hin und wieder Gedanken darüber machen, ob Leistung an sich eigentlich noch das Papier wert ist, auf das sie im Wörterbuch gedruckt ist. Leistung ergibt Gegenleistung. Man gibt und nimmt. Eine Gleichung, die doch aufgehen sollte, in dieser Tage Gerechtigkeit. Und doch – erste Widersprüche begegnen mir zum Start in den Tag. Da lässt sich das Befördertwerden mit den Ach-so-empfohlenen öffentlichen Verkehrsmitteln teuer bezahlen und ich frage mich zwangsläufig, welchen Wert mein täglicher Weg zur Arbeit erhält, setze ich ihn ins Verhältnis zum dafür berappten Entgelt. Der Widerspruch in Person steht bereits hinter der Bürotür. Ein Berg Arbeit türmt sich neben dem anderen, so dass kurz überlegt werden muss, ob ein Obendrüber, ein Außenherum oder ein Mittendurch die beste Lösungsvariable ist. Schließlich ernte ich Dank für all die Meisterleistung in Sachen Statik in vielerlei Ausführung. Ein nicht vorhandenes Lächeln der Chefetage, ein weiterer Minuspunkt auf der Liste der Untergebenen und zusammenfassend noch mehr Arbeit, sorry, Grund für Bestleistung. Am meisten jubeln lässt sich jedoch über das rechnerische Ergebnis am Monatsende. Da wo die Bahn gerade noch großzügig bezahlt wurde, wird nun an mir gespart. Heißt, nix ist mit der geraden Lage der Goldwaage, gefüllt mit Leistung und Gegenleistung. Das Ungleichgewicht ist unverkennbar, die schiefe Ebene wird neu definiert und ich laufe erneut zur Höchstleistung, betreffend die Korrektur der persönlichen Kostenvoranschläge, auf. Der Feierabend gestaltet sich ähnlich ergiebig... der Briefkasten als Freund und Helfer in Sachen Verbreitung von Neuigkeiten ist selten der, für den man ihn hält. Wessen Herz schlägt nicht höher in freudiger Erwartung dessen, was die Umwelt für uns bereit hält? Noch eben harmlos klingend, verwandelt sich der ein oder andere Kontakt der Außenwelt in einen erneuten Beweis dafür, dass Leistung ungleich Gegenleistung. Die Endlosaufzählung, welche Telefonrechnungen, Strom, Wasser und sonstige lebensverlängernde Maßnahmen beinhaltet, spare ich mir jetzt. Letztlich schreckt auch der Abschluss von Versicherungen nicht vor Unsicherheiten und Zweifeleien an der Wahrnehmung bzw. dem Gedächtnis zurück. Der Tag könnte nun also mit dem Fazit enden, dass man nichts erwarten sollte, was dem gerecht wird, das man selbst investiert hat. Wer denkt, dass „You’ll get what you deserve.“ wörtlich zu nehmen ist, der sollte sich vorher überlegen, in welche Richtung er die unermessliche Bedeutsamkeit der Floskel gedehnt haben will. Abschließend – Gleiches wird eben nicht mit Gleichem vergolten und nur der rosa Plüschhund um die Ecke kann noch steif und fest behaupten, dass Gleichgewicht existiert. Wer gibt, bekommt nicht automatisch. Und wer doch bekommt, sollte am besten vergessen haben, was er davor gegeben hat.

9.2.15 17:17, kommentieren

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Jetzt renne ich... weg.

Ich möchte um mich schlagen. "Weg! Gehen Sie
weg!" möchte ich schreien.
Sie hat mich auf den Kopf gestellt, sagt sie selbst.
Sie hat mich gereizt.
Bis auf's Messer provoziert.
Sie will helfen.
Mich verstehen lassen, wenn ich vor mir selbst
erschrocken bin.
Sie will, dass ich aufhöre, wegzulaufen.
Ich soll mich in Tiefen stürzen, die ich nie wieder
fühlen wollte. Ich soll mir Situationen vorstellen,
an die ich mich nie wieder erinnern wollte. Ich
soll mich so weit weg fühlen, dass ich nicht mehr
mitkomme. Ich folge nicht mehr.
Ich falle schon. Ich fühle, wie mir übel wird. Mein
Kopf wird heiß und droht zusammen mit meinem
überfüllten Innenleben zu platzen.
Die Tränen laufen über meine Wangen und ich will
ihr nicht mehr in die Augen sehen müssen.
Sie fragt immer weiter, obwohl ich längst keine
Antworten mehr habe.
Ich versuche, erwachsen zu sein und noch nicht
aufzugeben. Ich will einfach schreien "Lassen Sie
mich in Ruhe!", doch kämpfe weiter. Ich habe die
Kontrolle schon längst verloren und sie weiß es.
Irgendeinen Sinn muss es haben, dass sie mich
quält. Sie kennt mich gut genug, um zu wissen,
dass sie mich in diesem Kampf, genau in diesem
Moment wirklich erreicht hat.
Und ich weiß, dass ich nicht mehr kann. Die Gefühle
sind zu echt, da ist nichts Überlegtes, keine
Inszenierung mehr. Ich kann nicht zurück und auch
nicht vorwärts. Während ich gefangen und in
die Enge getrieben bin, scheine ich mehr denn je
ich zu sein.
Sie will mich wieder einfangen.
Sie will mich zurückholen und mir Ruhe geben.
Sie ist mir zu nah.
Jetzt renne ich.

4.2.15 20:04, kommentieren